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Prag-Reiseführer: Burgen, Bier und barocke Pracht
Ein vollständiger Reiseführer für Prag — von der Prager Burg und der Karlsbrücke über die tschechische Bierkultur und das jüdische Viertel bis zu wichtigen Tagesausflügen nach Český Krumlov und Kutná Hora.
Prag ist eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städte Europas — ein Ort, an dem gotische Türme, Barockpaläste und Jugendstilfassaden Seite an Seite stehen, als wäre die Zeit irgendwo um 1900 stehen geblieben. Zugleich ist Prag eines der beliebtesten Reiseziele des Kontinents, weshalb die richtige Reisezeit und die Wahl des Stadtviertels entscheidend für die Qualität des Besuchs sind.
Die Prager Burg
Die Prager Burg (Pražský Hrad) ist der flächenmäßig größte historische Burgkomplex der Welt und prägt die Skyline der Stadt von ihrem Platz hoch über der Moldau aus. Auf dem Burggelände befinden sich der Veitsdom (mit seinen beeindruckenden Glasfenstern von Alfons Mucha), der Alte Königspalast, die St.-Georgs-Basilika und das berühmte Goldene Gässchen — eine Reihe winziger, bunter Häuschen, in denen einst Burgwachen und später Franz Kafka wohnten (der kurzzeitig im Haus Nr. 22 lebte).
Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bietet das Ticket für Rundgang B (deckt Dom, Alten Königspalast und Goldenes Gässchen ab). Am besten früh am Morgen kommen — das Burggelände öffnet bereits um 6:00 Uhr, und morgens ist deutlich weniger los. Allein der Blick über Prag von den Burgmauern aus ist den Besuch wert.
Die Karlsbrücke
Die Karlsbrücke (Karlův Most), 1357 erbaut, verbindet die Altstadt über die Moldau mit der Kleinseite (Malá Strana). Ihre 30 barocken Heiligenstatuen — darunter die berühmte Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk — säumen beide Seiten. Die Brücke hat zu jeder Tageszeit ihren eigenen Reiz, wird im Sommer am späten Vormittag und Nachmittag jedoch regelrecht von Touristenmassen überrannt.
Am eindrucksvollsten erlebt man sie bei Sonnenaufgang oder nach 21 Uhr. Fotografen lieben besonders den Nebel vor Sonnenaufgang und den warmen, bernsteinfarbenen Schein der Brückenlaternen bei Nacht.
Der Altstädter Ring und die astronomische Uhr
Der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí) ist Prags Schaustück schlechthin: gotische Kirchen, pastellfarbene Barockhäuser, das Jan-Hus-Denkmal und vor allem der Orloj, die mittelalterliche astronomische Uhr am Turm des Altstädter Rathauses. Stündlich von 9 bis 23 Uhr zieht die Uhr ihre mechanische Apostelprozession auf — das Schauspiel dauert nur rund 45 Sekunden. Die Menschenmenge, die sich dafür auf dem Platz versammelt, ist beeindruckender als die eigentliche, eher bescheidene Vorführung.
Für den besten Blick über den Platz und die Dächer der Altstadt lohnt sich der Aufstieg auf den Turm des Altstädter Rathauses.
Das jüdische Viertel (Josefov)
Nur wenige Gehminuten vom Altstädter Ring entfernt liegt Josefov, eines der am besten erhaltenen historischen jüdischen Viertel Europas. Sechs Synagogen (darunter die Altneu-Synagoge aus dem 13. Jahrhundert, die älteste noch genutzte Synagoge Europas), der Alte Jüdische Friedhof (wo die Grabsteine aus Platzmangel bis zu zwölf Lagen übereinander liegen) und das Jüdische Museum machen dieses kompakte Viertel zu einem zutiefst bewegenden Erlebnis.
Das Ticket für das Jüdische Museum deckt den Großteil von Josefov ab und kostet etwa 500 CZK (ca. 20 €). Für den Besuch sollte man mindestens zwei Stunden einplanen.
Vinohrady: Wo die Einheimischen leben
Wer die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abgehakt hat, sollte Vinohrady erkunden — ein Wohnviertel südöstlich des Wenzelsplatzes mit baumgesäumten Straßen, Jugendstilhäusern aus der Jahrhundertwende, hervorragenden Cafés, unabhängigen Buchläden und lokalen Restaurants, in denen man eher neben Prager Einheimischen als neben Reisegruppen sitzt. Der Bauernmarkt am Náměstí Míru samstags ist ausgezeichnet.
Das nahegelegene Žižkov ist etwas raueres, bietet dafür einige der besten Bars der Stadt sowie ein gigantisches (und faszinierendes) Monument aus der kommunistischen Ära — den Žižkov-Fernsehturm, den man für einen Panoramablick besteigen kann.
Tschechische Bierkultur
Bier ist in Tschechien nicht einfach nur ein Getränk, sondern eine kulturelle Institution. Tschechien hat den weltweit höchsten Bierkonsum pro Kopf, und das tschechische Lager — gebraut nach der Pilsner Methode, die 1842 im nahegelegenen Pilsen entwickelt wurde — gilt nach wie vor als globaler Maßstab.
Statt einer Touristenbar am Altstädter Ring lohnt sich der Besuch einer traditionellen pivnice (Bierhalle) oder hospoda (Kneipe). Die Preise in lokalen Kneipen liegen deutlich niedriger (40–60 CZK pro halbem Liter statt 120–200 CZK an touristischen Orten). Achten Sie auf Pilsner Urquell, Kozel, Bernard und Únětické Pivo vom Fass. Das korrekte Zapfen — langsam geneigtes Glas, drei Züge, dichter Schaumkranz — wird hier sehr ernst genommen.
Lokál (mit mehreren Filialen in Prag) ist eine moderne Interpretation der klassischen Bierhalle und außerordentlich gut geführt.
Tagesausflüge ab Prag
Český Krumlov (3 Stunden mit Bus oder Bahn) ist eine UNESCO-Welterbestadt, die von einer Schleife der Moldau umschlossen wird, überragt von einer gewaltigen Burg und seit dem 18. Jahrhundert praktisch unverändert. Es ist eine der schönsten Kleinstädte Mitteleuropas. Am besten unter der Woche besuchen und, wenn möglich, übernachten — im Sommer können Tagesausflügler den Ort regelrecht überfluten.
Kutná Hora (1 Stunde mit der Bahn) bietet zwei bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten: die Beinhauskirche von Sedlec (wo die Knochen von 40.000 Menschen zu Kronleuchtern und Dekorationen verarbeitet wurden) und die prachtvolle Barbarakathedrale, ein gotisches Meisterwerk. Ein halber Tag genügt.
Die beste Reisezeit für Prag
April bis Mai und September bis Oktober sind die idealen Reisezeiten. Das Wetter ist angenehm (15–22 °C), die Stadt ist lebendig, aber nicht überlaufen, und man kann die Terrassen genießen, ohne unter der Feuchtigkeit zu leiden. Im Frühling blühen die Kastanienbäume, im Herbst sorgen warmes Licht und kürzere Schlangen für ein angenehmes Reiseerlebnis.
Juni bis August ist Hochsommer: heiß, extrem überlaufen und deutlich teurer. Die Altstadt ist mittags kaum noch begehbar. Wer im Sommer reisen muss, sollte die Unterkunft Monate im Voraus buchen und sich auf frühe Morgenstunden und Abende konzentrieren.
November bis Februar ist kalt (teils unter dem Gefrierpunkt), aber stimmungsvoll. Die Weihnachtsmärkte (Ende November bis Anfang Januar) sind wirklich reizvoll, und außerhalb der Feiertage nimmt der Andrang deutlich ab.
Unterkunft nach Stadtteil
- Altstadt (Staré Město): Zentral und praktisch, aber am teuersten; zu jeder Tageszeit stark von Touristen geprägt.
- Neustadt (Nové Město): Lokaleres Flair rund um den Wenzelsplatz, gute Verkehrsanbindung, etwas günstigere Preise.
- Malá Strana (Kleinseite): Romantisch, aber abends ruhig; hervorragende Lage unterhalb der Prager Burg.
- Vinohrady: Wohnviertel mit lokalem Charakter, ausgezeichnete Restaurants und Cafés, 10 Minuten mit der Metro von der Altstadt entfernt.
- Žižkov: Günstigste Optionen, authentischere Atmosphäre, etwas weiter von den Hauptsehenswürdigkeiten entfernt.
Budgetüberblick
Prag ist längst nicht mehr das Schnäppchen von einst, bleibt aber nach westeuropäischen Maßstäben erschwinglich:
- Budget: 35–55 €/Tag (Hostel, Mahlzeiten in Kneipen, örtliche Verkehrsmittel)
- Mittelklasse: 80–130 €/Tag (privates Hotelzimmer, Restaurantbesuche, Museumseintritte)
- Luxus: ab 200 €/Tag (Boutique-Hotels, gehobene Küche, private Touren)
Landeswährung ist die tschechische Krone (CZK) — nicht der Euro. Am besten bei einer Bank oder am Geldautomaten wechseln; Wechselstuben mit der Aufschrift „keine Kommission” meiden, da ihre Kurse in der Regel schlechter sind.
Prag belohnt alle, die seine Straßen in Ruhe durchstreifen, sich in eine stille Kirche schleichen und in einer pivnice bei einem Bier das abendliche Treiben beobachten. Die Sehenswürdigkeiten sind grandios, doch die Atmosphäre ist die eigentliche Attraktion.