Reykjavik-Reiseführer: Nordlichter, Golden Circle & Island-Basics

Der komplette Guide für Reykjavik und Island: Nordlichter beobachten, die Golden-Circle-Route, die Blaue Lagune, Abenteuer auf der Ringstraße und wie man Islands hohe Kosten im Griff behält.

Island ist wie kein anderer Ort der Erde — hier brechen Geysire neben Wasserfällen aus, nisten Papageientaucher auf Meeresklippen, und der Himmel färbt sich in klaren Winternächten grün und violett. Reykjavik, die nördlichste Hauptstadt der Welt, ist klein genug, um sie zu Fuß zu erkunden, aber reich genug an Essen, Kultur und Naturzugang, um eine ganze Woche Reise zu tragen. Das Land verlangt allerdings Vorbereitung: Island ist teuer, wetterabhängig und am schönsten, wenn man seine Extreme annimmt, statt gegen sie anzukämpfen.

Der Golden Circle

Der Golden Circle ist Islands beliebteste Tagesausflugsroute — eine rund 300 km lange Schleife ab Reykjavik, die drei ikonische Orte verbindet:

Þingvellir-Nationalpark ist der Ort, an dem die nordamerikanische und die eurasische tektonische Platte sichtbar auseinanderdriften und ein Grabental von außergewöhnlicher geologischer Bedeutung formen. Hier wurde 930 n. Chr. auch Islands Parlament (das Althing) gegründet — das älteste Parlament der Welt. Wandern Sie durch die Almannagjá-Schlucht zwischen den beiden Platten und spüren Sie das Alter dieser Landschaft.

Geysir ist das geothermale Gebiet, das allen Geysiren ihren Namen gab. Der ursprüngliche Geysir bricht nur noch selten aus, doch Strokkur eruptiert alle 5–10 Minuten und schießt kochendes Wasser 15–30 Meter in die Luft. Am besten mit dem Wind im Rücken und aus sicherer Nähe beobachten.

Gullfoss ist ein zweistufiger Wasserfall von gewaltiger Kraft, der 32 Meter tief in eine Gletscherschlucht stürzt. Im Winter überziehen Eiskristalle die umliegenden Felsen, im Sommer bilden sich Regenbögen in der Gischt. So oder so: ein grandioser Anblick.

Mieten Sie für den Golden Circle lieber ein Auto, statt eine Tour zu buchen — so bleiben Sie flexibel und können an jedem Ort so lange verweilen, wie Sie möchten. Die Fahrt ist unkompliziert, isländische Straßen sind gut ausgebaut.

Nordlichter

Die Nordlichter (Aurora Borealis) zu sehen, ist für viele Reisende der Hauptgrund für den Islandbesuch. So erhöhen Sie Ihre Chancen:

  • Reisen Sie zwischen September und März — in dieser Zeit ist es in Island dunkel genug. Die Tag-Nacht-Gleichen (Ende September, Ende März) gelten statistisch als die aktivsten Perioden.
  • Beobachten Sie die Vorhersage: Das isländische Wetteramt veröffentlicht eine 3-Tage-Aurora-Prognose sowie Wolkenkarten. Klarer Himmel ist entscheidend.
  • Entfliehen Sie der Stadt: Reykjaviks Lichtverschmutzung verringert die Sichtbarkeit. Fahren Sie 20–30 Minuten aus der Stadt heraus für einen dunkleren Himmel.
  • Haben Sie Geduld: Nordlichter sind unvorhersehbar. Planen Sie mindestens 3–4 Nächte in Island ein, um eine realistische Chance zu haben.

Die Halbinsel Snæfellsnes und die Südküste rund um Vík sind besonders gute Beobachtungsorte, wenn Sie bereit sind, etwas weiter zu fahren.

Die Blaue Lagune

Die Blaue Lagune ist Islands meistbesuchte Attraktion — ein milchig-blaues Becken aus mineralreichem, 38°C warmem Wasser inmitten eines schwarzen Lavafelds. Sie ist unverhohlen touristisch, aber wirklich genussvoll, besonders bei kaltem Wetter, wenn der Dampf um einen herum aufsteigt. Buchen Sie unbedingt frühzeitig online (im Sommer und während der Nordlicht-Saison ist sie oft Tage oder Wochen im Voraus ausgebucht). Die Premium-Pakete mit Silica-Schlammmaske und Algenmaske sind ihr Geld wert.

Die Blaue Lagune liegt auf halbem Weg zwischen Reykjavik und dem Flughafen Keflavik — ein logischer Zwischenstopp bei An- oder Abreise.

Hallgrímskirkja und Reykjaviks Hafenpromenade

Hallgrímskirkja ist Reykjaviks bekanntestes Wahrzeichen — eine lutherische Betonkirche, deren Form an Islands Basaltsäulen erinnert und die sich 74 Meter über die Stadt erhebt. Fahren Sie mit dem Aufzug hinauf zum Turm für einen Blick über die bunten Dächer und das Meer dahinter. Der Eintritt zur Kirche ist kostenlos, für den Turm wird eine kleine Gebühr fällig.

Die Harpa Konzerthalle an der Hafenpromenade ist ein beeindruckendes Stück zeitgenössischer Architektur — ihre wabenförmige Glasfassade spiegelt den Hafen und den Himmel. Gehen Sie den Uferweg von der Harpa in Richtung des alten Hafens, wo Sie Fischrestaurants und das Museum Whales of Iceland finden (lebensgroße Walmodelle, die eindrucksvoller sind, als es klingt).

Reykjaviks kulinarische Szene

Die isländische Küche hat sich von ihren Schaf-und-Kartoffel-Wurzeln deutlich weiterentwickelt. Heute bietet Reykjavik eine anspruchsvolle Restaurantszene, die auf lokal bezogenen Zutaten basiert:

  • Skyr: Islands traditionelles, proteinreiches Milchprodukt, ähnlich griechischem Joghurt. Überall erhältlich — am besten mit Beeren zum Frühstück.
  • Lamm: Isländisches Lamm weidet frei auf offenem Moorland und schmeckt außergewöhnlich intensiv. Probieren Sie eine Lammsuppe (kjötsúpa) in einem traditionellen Restaurant.
  • Meeresfrüchte: Saibling, Langustinen und Kabeljau gehören zu den Grundnahrungsmitteln. Die Langustinen aus Hofsós im Norden sind außergewöhnlich gut.
  • Hot Dogs von Bæjarins Beztu Pylsur: eine Reykjaviker Institution. Selbst Bill Clinton hat hier gegessen. Einer reicht, zwei sind schon eine Herausforderung.

Budget fürs Essen: Reykjavik ist teuer. Ein Abendessen in einem gehobenen Mittelklasse-Restaurant kostet pro Hauptgericht ISK 3.500–6.000 (ca. 25–45 $). Einkäufe bei Bonus (dem Discount-Supermarkt) senken die Kosten spürbar.

Islands Ringstraße

Die Route 1 (Ringstraße) umrundet die gesamte Insel über 1.332 km und lässt sich in 7–10 Tagen in gemächlichem Tempo befahren. Highlights jenseits des Golden Circle:

  • Südküste: die Wasserfälle Seljalandsfoss und Skógafoss, der schwarze Sandstrand Reynisfjara, die Gletscherlagune Jökulsárlón
  • Ostfjorde: abgelegen, spektakulär und fast frei von Touristen
  • Nordisland: Akureyri (Islands zweitgrößte Stadt), das geothermale Gebiet am Mývatn-See, Húsavík zur Walbeobachtung
  • Westfjorde: die dramatischste und am wenigsten besuchte Region — ein echter Umweg, aber jeden Kilometer wert

Ein Campervan oder ein Allradfahrzeug ist ideal. F-Straßen (Hochlandpisten, mit einem F gekennzeichnet) erfordern Allradantrieb und sind nur im Sommer befahrbar.

Beste Reisezeit für Island

  • Juni–August: Mitternachtssonne, wärmste Temperaturen (10–15°C), alle Straßen und Hochlandpisten geöffnet, aber wegen 24 Stunden Tageslicht keine Nordlichter sichtbar. Unterkünfte auf Höchstpreisniveau.
  • September–Oktober: Herbstfarben, erste Nordlichter der Saison, Nebensaisonpreise, Wasserfälle durch Schmelzwasser besonders wasserreich.
  • November–Februar: eigentliche Nordlicht-Saison, weihnachtliche Stimmung in Reykjavik, deutlich weniger Touristen, allerdings sind manche Hochlandstraßen und ländliche Angebote geschlossen.
  • März–Mai: Frühjahrstauwetter, Rückkehr der Papageientaucher (Mai), Nordlichter bis Mitte April möglich, wechselhaftes Wetter.

Budgetrealität: 200 $ und mehr pro Tag

Island ist wirklich teuer. Realistische Tagesbudgets:

  • Budget: 120–150 $/Tag (Mehrbettzimmer im Gästehaus, Selbstverpflegung, keine Touren)
  • Mittelklasse: 200–300 $/Tag (privates Zimmer im Gästehaus, Restaurantbesuche, Mietwagen zu zweit geteilt)
  • Komfortabel: 350–500 $+/Tag (Hotel, geführte Tagestouren, Restaurantessen)

Der Mietwagen ist oft der größte Einzelposten, aber unverzichtbar, um Island richtig zu erleben. Buchen Sie im Sommer Monate im Voraus — die Preise steigen deutlich, je näher das Reisedatum rückt.

Walbeobachtung

Húsavík im Norden Islands ist die Walbeobachtungshauptstadt Europas — Buckelwale, Zwergwale und Blauwale werden im Sommer regelmäßig gesichtet. Auch Reykjavik bietet Walbeobachtungstouren ab dem alten Hafen an, mit einer soliden Erfolgsquote von Mai bis September.

Island ist dramatisch, teuer und gelegentlich unbequem — und absolut jeden Aufwand wert. Planen Sie sorgfältig, lassen Sie Raum für wetterbedingte Umwege und behalten Sie den Himmel im Blick.

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