Norwegens Fjorde: Reiseführer für Geirangerfjord, Nærøyfjord und Westnorwegen

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Norwegens Fjorde gehören zu den dramatischsten Landschaften Europas — von Gletschern geformte Wassergräben, gefüllt mit tiefblau-grünem Wasser, gesäumt von Felswänden, die hunderte Meter senkrecht aus der Wasseroberfläche aufragen. Sie sind uralt und von einer Gewaltigkeit, die sich in Fotografien kaum einfangen lässt. Auf dem Deck eines Fjordschiffs zu stehen, während sich zu beiden Seiten Klippen auftürmen und Wasserfälle aus unsichtbaren Höhen herabstürzen, ist einer jener seltenen Reisemomente, die das eigene Maßstabsgefühl völlig neu justieren.

Die wichtigsten Fjorde

Geirangerfjord ist das Postkartenmotiv Norwegens — und das zu Recht. Der 15 Kilometer lange Arm des Sunnylvsfjords beherbergt die spektakulärste Wasserfall-Ansammlung des Landes. Die Sieben Schwestern stürzen an der Nordseite den Berghang hinab, während der Wasserfall Der Freier von der Südseite antwortet. Der verlassene Hof Skageflå, unmöglich hoch an der Felswand gelegen, ist über eine steile, zweistündige Wanderung erreichbar und bietet einen der außergewöhnlichsten Aussichtspunkte Norwegens. Das Dorf Geiranger selbst ist klein, mit einer Handvoll Hotels und einem im Sommer geschäftigen Kreuzfahrtterminal.

Nærøyfjord ist gemeinsam mit dem Geirangerfjord UNESCO-Weltkulturerbe — und man kann argumentieren, dass er noch dramatischer ist. An seiner engsten Stelle ist er gerade einmal 250 Meter breit, während die Felswände 1.700 Meter über dem Wasser aufragen. Das Fjorddorf Flåm am östlichen Ende des Aurlandsfjords (der mit dem Nærøyfjord verbunden ist) ist die Anlaufstelle für die meisten Besucher — hier endet die berühmte Flåmbahn, und von hier starten Fjordkreuzfahrten und Kajaktouren.

Sognefjord ist mit 205 Kilometern Länge und 1.308 Metern Tiefe der längste und tiefste Fjord Norwegens und der übergeordnete Fjord, aus dem der Nærøyfjord hervorgeht. Ihn in voller Länge zu befahren ist ein Tagesausflug für sich. Das Dorf Balestrand am Sognefjord zählt zu den charmantesten Stützpunkten der Region — ruhiger als Flåm und mit hervorragendem Zugang zu Wanderwegen.

Bergen: Das Tor zu den Fjorden

Bergen ist die natürliche Basis für jede Fjorderkundung. Die zweitgrößte Stadt Norwegens besitzt mit Bryggen einen alten Hanse-Kai, der selbst UNESCO-Weltkulturerbe ist. In den bunten Holzhäusern von Bryggen finden sich heute Restaurants, Kunsthandwerksläden und Galerien.

Die wichtigsten Erlebnisse in Bergen:

  • Fløibanen-Standseilbahn auf den Hausberg Fløyen für Panoramablicke über die Stadt und die umliegenden Fjorde. Der Fußweg zurück durch den Wald dauert etwa 45 Minuten.
  • Fischmarkt (Fisketorget) am Hafen — hervorragend für frische Meeresfrüchte, wenn auch nicht günstig.
  • KODE-Kunstmuseen — vier Gebäude norwegischer Kunst, darunter Werke von Edvard Munch.
  • Bergen Card — deckt die Standseilbahn, die meisten Museen und den öffentlichen Nahverkehr für 24 oder 48 Stunden ab.

Die Flåmbahn

Die Flåmsbana wird regelmäßig zu einer der schönsten Bahnstrecken der Welt gekürt. Auf nur 20 Kilometern überwindet sie 863 Höhenmeter durch eine Landschaft aus Wasserfällen, Tunneln und Berggipfeln — eine Ingenieursleistung, für die in den 1920er- und 1930er-Jahren 20 Jahre Bauzeit nötig waren. Am Wasserfall Kjosfossen hält der Zug für fünf Minuten — lange genug, um von der Gischt nass zu werden und Fotos zu machen.

Die Bahnstrecke verbindet Flåm und Myrdal, wo Anschluss an die Hauptstrecke Bergen–Oslo besteht. Die beliebte Tour „Norway in a Nutshell” kombiniert die Bergenbahn, die Flåmbahn, eine Fjordkreuzfahrt und die Rückfahrt per Bus nach Bergen (oder weiter nach Oslo) zu einer Tages- oder Übernachtungsroute.

Fjordkreuzfahrten und Wandern

Fjordkreuzfahrten reichen von der klassischen zweistündigen Sightseeing-Tour ab Flåm bis zu mehrtägigen Expeditionen über die gesamte Länge des Sognefjords. Im Sommer bieten RIB-Touren (mit Schlauchbooten) ein aufregenderes Erlebnis aus nächster Nähe. Kajakfahren wird zunehmend beliebter — geführte Tagestouren starten ab Flåm und Gudvangen, während mehrtägige, selbstgeführte Touren sorgfältige Planung und ein gutes Gespür für die Wetterlage erfordern.

Das Wandern in den Fjordregionen ist herausragend. Die bekanntesten Routen:

  • Trolltunga (Trollzunge) — 22 km Rundweg, 10–12 Stunden, anspruchsvoll, aber mit außergewöhnlicher Belohnung. In der Nähe von Odda am Hardangerfjord.
  • Preikestolen (Kanzelfelsen) — 8 km Rundweg, 3–4 Stunden, mit einer flachen Felsplattform 604 Meter über dem Lysefjord. Nahe Stavanger.
  • Kjeragbolten — ein in einer Felsspalte über dem Lysefjord eingeklemmter Felsblock, erreichbar über eine anstrengende dreistündige Wanderung. Nahe Stavanger.
  • Skageflå oberhalb des Geirangerfjords — steil und lohnend, verlassener Hof mit Fjordblick.

Mitternachtssonne und Nordlichter

Norwegen bietet zwei der begehrtesten Naturschauspiele der Welt:

Mitternachtssonne: Nördlich des Polarkreises (66,5° N) geht die Sonne von Ende Mai bis Mitte Juli nicht unter. Bergen liegt südlich des Polarkreises, erlebt im Juni und Anfang Juli aber dennoch sehr lange Tage mit einer Dämmerung, die kaum in echte Nacht übergeht. Für die echte Mitternachtssonne sollte man nach Tromsø oder auf die Lofoten reisen.

Nordlicht (Aurora Borealis): Am besten von September bis März zu sehen, wenn die Nächte lang und dunkel sind. Die stärksten Erscheinungen zeigen sich in Tromsø und im hohen Norden, doch die Lofoten bieten mit Fischerdörfern, die sich in stillem Wasser unter tanzendem grünem Licht spiegeln, wohl die stimmungsvollste Kulisse. Sichtungen erfordern klaren Himmel und Sonnenaktivität; Apps wie „My Aurora Forecast” helfen, die Bedingungen zu verfolgen.

Spartipps (Norwegen ist teuer)

Norwegen zählt zu den teuersten Ländern der Welt. Ein Essen in einem Restaurant der mittleren Preisklasse kostet 250–400 NOK (22–35 €), ein Bier an der Bar 100–120 NOK (9–11 €). Ein paar Strategien:

  • Selbst kochen: Supermärkte (Rema 1000, Kiwi, Coop Extra) sind nach norwegischen Maßstäben relativ erschwinglich. Unterkünfte mit eigener Küche (Hütten/hytte oder Apartments) helfen enorm, das Budget zu schonen.
  • Wasserflasche mitnehmen: Norwegisches Leitungswasser ist überall ausgezeichnet und unbedenklich.
  • Fjordkreuzfahrten und Flåmbahn im Voraus buchen: Der Sommer ist extrem beliebt, und die Preise steigen mit der Nachfrage.
  • Kostenloses Wandern: Dank allemannsretten (dem Jedermannsrecht) sind alle Naturgebiete frei zugänglich. Auch Zelten in der Natur ist im Rahmen dieses Rechts kostenlos.
  • Oslo Pass / Bergen Card: Deckt Museumseintritte und öffentlichen Nahverkehr ab — nützlich, wenn mehrere Attraktionen auf dem Programm stehen.
  • Nach Oslo statt nach Bergen fliegen: Billigfluglinien (Norwegian Air, Ryanair) bedienen Oslo mit deutlich mehr Verbindungen. Die Bergenbahn zwischen Oslo und Bergen (7 Stunden, 299–800 NOK je nach Buchungszeitpunkt) ist dabei ein eigenes landschaftliches Erlebnis.

Beste Reisezeit

Juni bis August: Hochsommer, bestes Wetter, alle Attraktionen geöffnet, Mitternachtssonne im Norden. Es ist mit Andrang in Flåm und Geiranger zu rechnen — Unterkünfte und Fjordkreuzfahrten früh buchen.

September bis Oktober: Weniger Touristen, herbstliche Farben in den Bergen, mögliche frühe Nordlichtsichtungen. Manche Hochgebirgsstraßen und Wanderwege schließen ab Mitte Oktober.

November bis März: Winter, Schnee in den Bergen, Nordlichtsaison. Viele kleinere Hotels an den Fjorden schließen. Skifahren ist in den Bergresorts möglich.

April bis Mai: Der Frühling erwacht, die Wasserfälle stehen dank Schneeschmelze in voller Kraft, und es sind noch vergleichsweise wenige Touristen unterwegs.

Norwegens Fjorde sind kein Reiseziel, das nach dem Besuch kleiner wird — im Gegenteil, sie wachsen in der Erinnerung, werden größer und bedeutsamer, je weiter man sich von ihnen entfernt.

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