Neuseeland-Reiseführer: Nordinsel, Südinsel und alles dazwischen

Alles, was Sie für eine Neuseeland-Reise planen müssen: Abenteuersport in Queenstown, der Milford Sound, Hobbiton, die Maori-Kultur, Tipps fürs Selbstfahren, die beste Reisezeit und die Visabestimmungen.

Neuseeland ist die Art von Reiseziel, die einen fragen lässt, warum man je erwogen hat, woanders hinzufahren. Zwei Inseln — etwa so groß wie das Vereinigte Königreich, aber mit weniger als fünf Millionen Einwohnern — bündeln mehr dramatische Landschaft pro Quadratkilometer als fast jedes andere Land der Erde. Von Gletschern geformte Fjorde, noch dampfende Vulkangipfel, uralte Wälder, unberührte Strände und eine Maori-Kultur, die die gesamte Landschaft durchdringt, verleihen Neuseeland eine Tiefe, die jeden Besucher überrascht.

Nordinsel vs. Südinsel

Die meisten Reisenden stehen vor der klassischen Frage: Nordinsel, Südinsel oder beides?

Die Nordinsel beherbergt den Großteil der neuseeländischen Bevölkerung und zwei der bekanntesten Erlebnisse des Landes. Rotorua ist das Herzland der Maori-Kultur — Geysire, blubbernde Schlammtümpel und die Gelegenheit, ein echtes Hangi-Festmahl mit Kulturprogramm bei Te Puia oder im Tamaki Maori Village zu erleben. Hobbiton, nahe Matamata, ist ein akribisch gepflegtes Filmset aus den Herr-der-Ringe- und Hobbit-Trilogien — selbst Nicht-Fans erliegen seinem Charme. Wellington, die Hauptstadt, spielt trotz ihrer Größe in einer eigenen Liga: exzellente Museen (das Te Papa ist kostenlos und ein Muss), eine lebendige Café-Kultur und der Flughafen als Tor zur Südinsel.

Auf der Südinsel findet sich der Großteil der postkartentauglichen Landschaft. Queenstown ist die Abenteuerhauptstadt — Bungee-Jumping, Fallschirmspringen, Jetboot-Fahrten und Wildwasser-Rafting vor der Kulisse der Bergkette The Remarkables. Der Milford Sound (streng genommen ein Fjord) gilt vielen als das spektakulärste Naturschauspiel Neuseelands. Christchurch, das sich nach dem Erdbeben von 2011 immer noch im Wiederaufbau befindet, hat sich zu einer der kreativsten Städte des Landes entwickelt — mit Streetart, Container-Einkaufszentren und einer wiederbelebten Uferpromenade.

Für die meisten Reisenden mit zwei bis drei Wochen Zeit sind beide Inseln durchaus machbar. Eine beliebte Route: Ankunft in Auckland → Fahrt die Nordinsel hinunter (Rotorua, Hobbiton, Wellington) → Fährüberfahrt mit der Interislander nach Picton → Fahrt durch die Südinsel (Abel Tasman, Franz-Josef-Gletscher, Queenstown, Milford Sound) → Rückflug ab Queenstown oder Christchurch.

Queenstown: die Abenteuerhauptstadt

Queenstown liegt am Ufer des Lake Wakatipu, umringt von schroffen Bergketten. Hier wurde das kommerzielle Bungee-Jumping erfunden (AJ Hacketts Kawarau Bridge, 43 Meter über einem Fluss), und seither hat die Stadt eine ganze Industrie rund um den Adrenalinkick aufgebaut.

Zu den wichtigsten Erlebnissen zählen:

  • Bungee-Jumping an der Kawarau Bridge oder am höheren Nevis Bungy (134 m)
  • Fallschirmspringen mit Blick auf The Remarkables und den Lake Wakatipu
  • Jetboot-Fahrten durch die Shotover Canyon
  • Skifahren/Snowboarden am Coronet Peak oder in The Remarkables (Juni–September)
  • Weinproben im Gibbston Valley, bekannt für seinen Pinot Noir

Queenstown ist zudem das Tor zum Milford Sound, 290 km entfernt. Die Fahrt über Te Anau und die Milford Road zählt zu den landschaftlich eindrucksvollsten der Welt — allerdings kann die Straße im Winter wegen Lawinengefahr gesperrt sein. Eine Kreuzfahrt auf dem Fjord ist das klassische Erlebnis; wer es aktiver mag, kann kajakfahren.

Milford Sound

Oft in Nebel und Regen gehüllt (rund 7.000 mm Niederschlag pro Jahr), wirkt der Milford Sound paradoxerweise bei schlechtem Wetter noch dramatischer: Wasserfälle, die bei Trockenheit nur ein Rinnsal sind, verwandeln sich in reißende Kaskaden. Die Fjordwände ragen 1.200 Meter aus dem Wasser. Robben sonnen sich an der Fjordmündung auf den Felsen, und Delfine sind häufig zu sehen.

Bei Übernachtungskreuzfahrten erlebt man den Fjord im Morgengrauen, bevor die Tagesausflügler eintreffen — die ruhigste und fotogenste Zeit.

Maori-Kultur

Die indigene Maori-Kultur Neuseelands ist kein Museumsstück, sondern ein lebendiger Teil der zeitgenössischen neuseeländischen Identität. Der Haka (Kriegstanz) wird bei Sportveranstaltungen und kulturellen Zeremonien aufgeführt. Te reo Maori (die Maori-Sprache) ist neben Englisch offizielle Landessprache. Ortsnamen im ganzen Land stammen aus dem Maori und tragen jeweils ihre eigene Geschichte.

Die zugänglichsten kulturellen Erlebnisse bietet Rotorua, doch bedeutungsvolle Begegnungen finden sich auf beiden Inseln. Für ein authentischeres Erlebnis lohnt es sich, gezielt nach von Maori geführten Touren zu suchen statt nach rein kommerziellen Shows.

Selbstfahren oder geführte Touren

Neuseeland zählt zu den großen Selbstfahrer-Destinationen der Welt. Die Straßen sind gut ausgebaut, der Verkehr außerhalb der Städte gering, und die Distanzen bleiben überschaubar. Ein Campervan ist die klassische Art zu reisen — Freiheit, überall dort anzuhalten, wo die Landschaft es verlangt, samt eingebauter Unterkunft. Freies Campen ist in vielen ausgewiesenen Bereichen erlaubt (die App Campermate gibt Auskunft).

Wer strukturiertere Reisen bevorzugt, findet geführte Kleingruppentouren, die beide Inseln in 14–21 Tagen umfassend abdecken. Anbieter wie Contiki (Budget), Trafalgar (Mittelklasse) und Scenic Tours (Luxus) bieten allesamt gut bewertete Neuseeland-Routen.

Beste Reisezeit

Oktober bis April ist die Hauptreisesaison. Der Sommer (Dezember–Februar) bringt warme Temperaturen (18–25 °C in den meisten Regionen), lange Tage, und sämtliche Aktivitäten sind in Betrieb. Die südlichen Regionen der Südinsel — Queenstown, Milford Sound, Fiordland — besucht man am besten von Oktober bis April, um Straßensperrungen zu vermeiden und möglichst viel Tageslicht zu nutzen.

Mai bis September (Winter) eignet sich hervorragend zum Skifahren und bringt deutlich weniger Touristen. Die Nordinsel bleibt das ganze Jahr über relativ mild. Die Westküste der Südinsel ist ganzjährig regenreich — eine Regenjacke gehört unabhängig von der Reisezeit ins Gepäck.

Visabestimmungen

Bürger der meisten westlichen Länder benötigen eine New Zealand Electronic Travel Authority (NZeTA) — kein vollwertiges Visum, aber eine Vorab-Genehmigung, die vor der Abreise eingeholt werden muss. Sie kostet NZD 23 und kann über die Website oder App von Immigration New Zealand beantragt werden. Hinzu kommt für die meisten Besucher die International Visitor Conservation and Tourism Levy (IVL) von NZD 35.

Australische Staatsbürger benötigen keine NZeTA. US-amerikanische, britische und EU-Bürger hingegen schon.

Budgetplanung

Neuseeland ist ein moderat teures Reiseziel:

  • Budgetreisende: NZD 80–120/Tag (Hostel-Schlafsäle, Selbstverpflegung, kostenlose Wanderungen)
  • Mittelklasse: NZD 180–280/Tag (Motel oder Airbnb, Mischung aus Auswärtsessen und Selbstverpflegung, einige kostenpflichtige Aktivitäten)
  • Komfortabel: NZD 350+/Tag (Boutique-Unterkünfte, geführte Erlebnisse, Restaurantbesuche)

Abenteueraktivitäten sind im internationalen Vergleich teuer (Bungee-Jump: ab NZD 195, Fallschirmsprung: ab NZD 250), doch die kostenlosen Erlebnisse — die Wanderung über den Tongariro Alpine Crossing, Spaziergänge im Abel Tasman National Park, die Fahrt über die Crown Range Road — zählen zu den eindrucksvollsten der Welt.

Fortbewegung

Inlandsflüge zwischen Auckland, Wellington, Queenstown und Christchurch sind bei rechtzeitiger Buchung preislich fair (Air New Zealand und Jetstar). Die Fähren Interislander und Bluebridge queren die Cookstraße zwischen Picton und Wellington — eine dreistündige Überfahrt mit spektakulärer Aussicht durch die Marlborough Sounds.

Mietwagen sind im internationalen Vergleich günstig. Wichtig: In Neuseeland herrscht Linksverkehr. Schotterstraßen zu landschaftlich reizvollen Orten sind häufig — es lohnt sich zu prüfen, ob der Mietvertrag solche Strecken abdeckt (die meisten Budget-Mietwagen tun das nicht).

Neuseeland belohnt langsames Reisen. Die Versuchung ist groß, jede Sehenswürdigkeit abzuhaken — doch am zufriedensten reisen jene ab, die einen ganzen Tag lang nichts anderes getan haben, als zuzusehen, wie der Fjord seine Farbe wechselt.

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